Daniela Dröscher: Mädchen allein zu zweit
Die wunderbare Daniela Dröscher, deren Roman „Lügen über meine Mutter“ ein bereicherndes Leseerlebnis für mich war (freue mich schon auf den Kinofilm mit Rosalie Thomass), hat nun ihren ersten Roman für Jugendliche geschrieben. Sie hat mich wieder und neu überzeugt mit einer Geschichte, von der ich weiß, dass ich sie in meiner Jugend verschlungen hätte. Dabei hat das Thema primär nichts mit meinem damaligen Leben zu tun - wie viele Bücher dieser Zeit, die mir andere Lebensentwürfe und -wirklichkeiten vor Augen geführt haben.
Es geht um die Freundinnen Issa und Grace. Beide leben bei alleinerziehenden Müttern, in beiden Familien gibt es wenig Geld. Demgegenüber stehen die „rich kids“ auf dem Internat, dessen Schule Issa und Grace tagsüber besuchen. Als Issa eines Tages erfährt, dass ihre Mutter schon länger mit einer Zahlung an die Schule in Verzug ist, versuchen sie und Grace einen Plan zu entwickeln, an das Geld zu kommen. Helfen könnte „der SIR“, ein Junge aus reichem Hause, in den Issa sich verliebt hat und der ihre Gefühle zu erwidern scheint. Das kann sie aber doch Grace nicht sagen! Was würde sie denken? Würde sie es wie Verrat empfinden? Doch Grace hat ganz andere Sorgen: Über die Sommerferien sind ihre Brüste in einem Ausmaß gewachsen, dass sie vollkommen erschreckt und überfordert. Was passiert da mit ihr und ihrem Körper? Sie hat Schmerzen und weiß nicht weiter. Überstürzt nehmen sie und Issa Kontakt zu einem Chirurgen in Frankfurt auf, der ihre Brüste verkleinern soll, doch als 15-jährige haben sie noch keine Befugnis, irgendetwas zu entscheiden – und natürlich auch kein Geld.
Wie die beiden es schaffen, sich gemeinsam den Schwierigkeiten ihres Lebens zu stellen, macht Mut und liest sich sehr unterhaltsam und spannend. Ein Buch für beste Freundinnen! Ein Buch, das Mut und stark macht.
Julia Kortenjann