Abdulrazak Gurnah: Diebstahl

Gurnah nimmt uns mit in eine Welt, die wir nicht kennen, ins Sansibar der 70er und 80er Jahre. Wir kennen aber die Wünsche und Sehnsüchte seiner Figuren, nach Glück, Liebe und Erfüllung.


Alles geht damit los, dass die junge Raya gegen ihren Willen verheiratet und zu jung Mutter wird. Sie kümmert sich wenig um ihren Sohn Karim, lässt ihn lieber von ihren Eltern aufziehen. Karim möchte später anders leben. Er will Karriere machen und schafft es, sich ein gutes Leben aufzubauen. In Fauzia findet er die große Liebe, die beiden heiraten und bekommen ein Kind. Doch schon bei ersten familiären Herausforderungen setzt Karim dieses Glück leichtfertig aufs Spiel.

Dann gibt es noch Badar, der seine Eltern nicht kennt und der - auf sich allein gestellt - versucht, das Gute in allem zu sehen, was ihm das Leben bietet. Im Teenageralter arbeitet er bei entfernten Verwandten als Diener, später wird er von Karim und Fauzia nach Daressalam geholt, wo er als Angestellter in einem feinen Hotel arbeitet. Badar hat keine Bildung erfahren und erwartet dementsprechend nicht viel vom Leben, weil er sich gar nicht vorstellen kann, etwas zu fordern. Er ist aber ein kluger Beobachter, ist seinen Arbeitgebern gegenüber treu und loyal und weiß seine Chancen zu nutzen. Und damit ist am Ende er derjenige, der es am besten getroffen hat.

Ich wünsche viel Freude mit diesem Text, an dem mir ganz besonders die Ruhe gefällt, der zurückhaltende Erzählton sowie Gurnahs feine Ausarbeitung seiner Protagonisten, deren Individualität und Innenleben er in kleinsten Beobachtungen und in ihrer Art, miteinander zu kommunizieren, transportiert.

Ich hatte kein Vorwissen über Sansibar, aber das macht beim Lesen nichts. Gurnah erklärt auch nichts über die zeitlichen Umstände seiner Geschichte (die Auswirkungen des Kolonialismus und der Nachhall der Revolution von 1964), sondern lässt uns selbst nachforschen und vor allem erspüren, was zwischen den Zeilen steht. Dieses Buch ist etwas Besonderes.

J. Kortenjann
 


Bibliographie
Tipp
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Diebstahl
Abdulrazak Gurnah
Diebstahl
Roman. Bestsellerautor und Literaturnobelpreisträger - Abdulrazak Gurnah bewegt die Menschen. 'Dieses Buch ist spektakulär menschlich.' rbb
EAN: 978-3-328-60438-9
Was kann sich entwickeln, wenn drei junge Menschen aus unterschiedlichem Elternhaus ihr Leben in die eigenen Hände nehmen? Klug, mit Wärme und Humor erzählt Gurnah aus dem heutigen Leben junger tansanischer Weltbürger Tansania, heute. Drei junge Menschen wachsen hier auf: Karim, der nach seinem Studium mit Ehrgeiz und großen Ideen in seine verschlafene Heimatstadt Daressalam zurückkehrt. Fauzia, die in Karim nicht nur ihren geliebten Partner, sondern auch die Chance sieht, einer allzu behüteten Kindheit zu entkommen. Badar, ein mittelloser Junge, der in Fauzia und Karim Freunde findet und von ihnen Hilfe erfährt, obwohl nicht klar ist, was und ob die Zukunft überhaupt etwas für ihn vorgesehen hat. Als Fortschritt und Tourismus in ihrem abgelegenen Winkel der Welt Einzug halten, nimmt jeder der drei das Schicksal in die eigenen Hände. Auf der Suche nach Erfolg, Glück und Bedeutung kämpft insbesondere Badar mit den langen Schatten eines Diebstahls. 'Absolut fesselnd. In diesem ruhigen, reifen Roman gibt es keine einfachen Wahrheiten, was ihn als Ganzes so wahrhaftig macht.' Wall Street Journal'Gurnahs Sätze fließen wie der Lauf eines alten Flusses, selbst wenn er komplizierte moderne Leben beschreibt.' Washington Post'Ein straff konstruiertes Familiendrama mit überraschenden Wendungen.' Kirkus Review'Wenn die Geschichte zu Ende ist - wenn auf der letzten Seite endlich alle Fäden zusammenlaufen -, kann der Leser nicht anders, als Gurnahs Können zu bewundern.' Financial Times'Eine wichtige Bereicherung für Gurnahs bemerkenswertes Werk; ein Roman, durchdrungen von Schmerz und Verlust, doch nicht von Verzweiflung.' The Guardian'Kulturell spezifisch und zugleich emotional universell. Gurnah in Höchstform.' Publishers Weekly'Eine leise kraftvolle Demonstration erzählerischer Meisterschaft, zugleich Coming-of-Age-Kammerstück und breit angelegtes postkoloniales Panorama.' Observer'Der neue Roman des Nobelpreisträgers ist ein Knüller.' The London Standard'Nichts am menschlichen Verhalten überrascht Gurnah, und durch das Lesen seines weisen neuen Romans mit dem sanften und schönen Ende sind wir Leser etwas weniger vorschnell mit Urteilen und eher bereit zu verstehen, was es bedeutet, zu kämpfen, zu wagen, zu lieben - was es bedeutet, Mensch zu sein.' Elif Shafak, New Statesman'Eine meisterhaft inszenierte Auseinandersetzung mit Freundschaft und Verrat.' The Economist

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