Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen

Ein schlechter Titel – für ein gutes Buch!

Ermittlerin Hannah Wester ist zurück. Nachdem sie bei einem Polizeieinsatz ihren Mann verloren und sich ein Jahr Auszeit vom Job genommen hat, bekommt sie es bei ihrer Rückkehr gleich mit einem spannenden und abgründigen Fall zu tun. In den Wäldern von Haparanda, einer schwedischen Kleinstadt, die an der Grenze zu Finnland liegt, werden ein toter Säugling und später seine tote Mutter gefunden. Hannah und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf und dringen immer tiefer ein in einen Strudel aus Skrupellosigkeit und Gewalt. Ob die beiden Todesfälle mit der „Akademie“ zu tun haben, einer Organisation, die Kinder kidnappt und als Jugendliche zu gefühlskalten Mördern ausbildet? Als sie erfahren, dass eine zweite Frau vermisst wird, ebenfalls in Erwartung eines Babys, ahnen sie, dass sie es mit Menschenhändlern zu tun haben könnten – und dass deren „Angebot“ von Männern aus den höchsten Kreisen und mit vermeintlich weißer Weste ebenso angenommen wie unterstützt wird. Während der Fall immer größere Dimensionen annimmt, muss Hanna sich zusätzlich mit ihrem kranken Vater auseinandersetzen – und herausfinden, ob ihr Kollege sich genauso zu ihr hingezogen fühlt wie sie sich zu ihm …

Zugegeben: Dieser Krimi verlangt uns vor dem Hintergrund der menschlichen Abgründe aber auch der Vielzahl handelnder Personen und deren Verknüpfungen miteinander durchaus viel ab. Mich hat er ab der ersten Seite gefesselt: Rosenfeldt weiß geschickt mit Spannungsbögen umzugehen und hat mich auch durch seine Sprache (übersetzt von Ursel Allenstein) und den Aufbau der Geschichte über Stunden in seinem Buch versinken lassen. Nachdem er uns mit seinem Figurentableau vertraut gemacht hat, folgt man den einzelnen Handlungssträngen mit wachsender beklommener Spannung und hofft und bangt mit denen, die eindeutig die „Guten“ sind. Bis es zum Finale kommt, hat sich so mancher Knoten gelöst – und nach der Lektüre dürfen wir hoffen, dass es weitere Fälle mit Hannah Wester gibt. 

Julia Kortenjann