Gianrico Carofiglio: Der Horizont der Nacht
Elvira Castell hat den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester Elena erschossen. Giovanni hat ihre Schwester in den Selbstmord getrieben, da ist sie sicher. Bei einem ungeplanten Aufeinandertreffen mit ihm in der Wohnung ihrer Schwester bringt sie ihn um.
Anwalt Avvocato Guerrieri soll sie vor Gericht vertreten. Dass Elvira den Mord begangen hat, ist sicher. Über den genauen Tathergang allerdings schweigt sie. Guerrieri muss nun die Umstände des Mordes aufklären: War es Vorsatz? Ein Unfall? Oder eine Tat im Affekt? Warum sind die Fingerabdrücke auf der kaputten Glasvase am Tatort nicht untersucht worden? Wurde die Frau mit den Scherben bedroht und hat aus Notwehr gehandelt?
Die Suche nach der Wahrheit ist einer von zwei Erzählsträngen in diesem Buch. Der andere beschäftigt sich mit Guerrieri persönlich. Er besucht einen Psychoanalytiker, der ihn dabei unterstützen soll, sich selbst besser zu verstehen und nahe zu kommen. Melancholie und ein feiner, leiser Humor kennzeichnen die Sitzungen der beiden, in denen viele Lebensthemen endlich auf en Tisch kommen, u.a. die Frage, warum all seine Beziehungen in die Brüche gegangen sind. Guerrieri gewinnt viele Erkenntnisse über sein Handeln und Nicht-Handeln, es geht ums Erinnern und Verdrängen, er erkennt, dass nicht andere am Lauf seines Lebens schuld sind, sondern dass er selbst es in der Hand hat. Es geht um nichts weniger als die Suche nach dem Glück, um unsere Vergänglichkeit, um die Zeit, die vergeht, ums Älterwerden.
Ein Buch, das gekonnt Spannung aufbaut und scheinbar nebenbei die großen Fragen des Lebens stellt. Grande!