Patrick Ryan: Buckeye
"Buckeye" ist ein grandioser Roman in der Tradition großer amerikanischer Erzähler*innen. Ich habe beim Lesen u.a. an John Irving und T.C.Boyle gedacht. Patrick Ryan schafft eine wunderbare Welt, der man sich beim Lesen schnell zugehörig fühlt. Er zeichnet seine Figuren so fein, dass man sie wirklich bildlich vor Augen hat. Seine Schilderungen im Kontext großer historischer Ereignisse sind detailverbliebt und machen die Geschichte zum Greifen nah, fast meint man, einen Film zu sehen.
Im Zentrum des Buchs stehen zwei Familien, die unauflöslich miteinander verwoben sind - und das nicht nur, weil sie in der gleichen Kleinstadt zuhause sind, im fiktiven Bonhomie in Ohio: Hier lebt Cal, ihn lernen wir als erstes kennen. Cal hat ein kurzes und ein langes Bein und muss deshalb nicht in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Er arbeitet in einem Haushaltswarenladen, den am Tag der Kapitulation eine junge Frau - Margaret - betritt, eine erste Begegnung mit weitreichenden Folgen. Margaret ist mit Felix verheiratet, der während des Kriegs auf einem Schiff im Pazifik stationiert ist. Er hat ein Geheimnis, das ihn quält und unfrei macht, kann nicht er selbst sein, weil er vermeintlich "anders" ist. Und Becky, Cals Frau, kann mit den Toten in Kontakt treten, und wird deshalb sowohl misstrauisch beäugt als auch voller Hoffnung auf Erlösung aufgesucht. Cal und Becky haben einen Sohn, Skip. Margaret und Felix sind Eltern des zwei Jahre jüngeren Tom, der wegen seiner kastanienroten Haare Buckeye genannt wird und dem Roman seinen Titel gibt. Skip und Tom werden Freunde - und unweigerlich hineingezogen in Dinge, auf die sie keinen Einfluss haben, anders als ihre Eltern ...
Ein wunderbarer und vielschichtiger Schmöker!
Julia Kortenjann