Gisa Klönne: Die Liebe, später

Gehen oder bleiben? Wie findet man heraus, was man will – und was nicht? Dieser Frage geht Gisa Klönne in ihrem klugen Roman anhand der Lebenswege zweier Menschen nach. 

Seit zwanzig Jahren sind Kora und Anselm ein Paar. Sie bewohnen ein schönes Haus mit Garten in Köln und haben bisher eine Wochenend-Ehe gelebt. Anselm war unter der Woche in Berlin, um seinem Job als Biologe nachzugehen, Kora hat Karriere als Journalistin und Radiomoderatorin mit eigener Sendung gemacht. Doch nach einer schweren Herz-Operation fühlt sie sich nicht nur körperlich ganz verändert. Alle alten Gewissheiten ihres Lebens scheinen sich aufzulösen. Ausgelöst durch die Erkenntnis der eigenen Verwundbarkeit und Ersetzbarkeit im Job (nach ihrer Reha liegt ein Aufhebungsvertrag auf ihrem Schreibtisch), stellt sie sich mit 60 Jahren die existenziellen Fragen: Wie will ich leben? Wer bin ich, wenn ich mich nicht mehr über die Arbeit definieren kann? War es ein Fehler, keine Kinder zu bekommen? Und: Liebe ich meinen Mann noch und traue ihm und uns zu, den weiteren Weg gemeinsam zu gehen? Um Antwort auf diese Fragen zu bekommen, unternimmt sie Reisen zu alten Freund*innen und Weggefährt*innen. Anselm dagegen vertieft sich in die Planung und Umsetzung eines Libellenteichs in ihrem Garten. Beide sind allein auf dem Weg im Ringen um ihr gemeinsames Glück. Ich bin ihnen sehr gern gefolgt. 

"Die Liebe, später" ist ein weitherziger und feiner Roman, mit einer Protagonistin, die sich traut, sich unangenehmen Fragen zu stellen, um wieder Bodenhaftung zu bekommen. Besonders gefallen haben mir die immer wieder in den Text eingestreuten kleinen Listen aus Wünschen, Geheimnissen und Fragen, anhand derer Kora gedanklich versucht, Ordnung in ihr Leben zu bringen. Was für ein schönes Buch!

Julia Kortenjann


Bibliographie