Lucy Fricke: Das Fest

Jakob wird heute 50. Und will trotzdem nicht feiern. Was soll er auch feiern? Dass er seine letzten Beziehungen in den Sand gesetzt hat und sich schon ewig nicht mehr verliebt hat? Dass er beruflich nicht weiterkommt? Und dass die körperlichen Zipperlein sich langsam bemerkbar machen? Darauf hat er keine Lust.

Aber es kommt anders. Zum Glück! Seine Freundin Ellen hat Pläne für und mit ihm und steht an diesem Tag vor seiner Tür, um ihn rauszulocken. Damit beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die Jakob sich im Traum nicht hätte vorstellen können. Am Ende des Tages ist er ein anderer. Aus Trostlosigkeit wird Zuversicht, aus Gefühlsstarre wird Empathie, aus dem Blick auf eine einsame Kindheit wird einer, der das Gute sehen kann. Für diese Veränderungen sorgen Weggefährt*innen aus allen Zeiten, die Jakob und uns mitnehmen bis in die 70er Jahre, als noch mit Blecheisenbahnen gespielt wurde, als die Kindergartenfreundin die ganze Welt für einen war, als man noch nicht wusste, was Abschied nehmen bedeutet. Auch die anderen Jahrzehnte erleben wir mit Jakob, eine Zeit, die ihm ein sorgloses Leben als Student und WG-Mitbewohner beschert hat, bis zum Einstürzen der World-Trade-Center-Türme die Welt eine andere geworden ist und es bis heute ist.

Dass man dennoch Hoffnung haben kann und muss, dass wir soviel selbst bewegen können, wenn wir den Blickwinkel ändern und dass Freunde das Beste im Leben sind, zeigt uns Lucy Fricke in diesem schönen Roman, der uns lachen und weinen lässt und vom Leben in allen Schattierungen erzählt. Ein kurzes Buch, von dem man lange etwas hat. Was will man mehr?

Julia Kortenjann


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