Florence Knapp: Die Namen
Als Cora für ihren neugeborenen Sohn auf dem Standesamt wie von ihrem Mann gewünscht den Vornamen Gordon eintragen lässt, sträubt sich alles in ihr. Gordon soll eines Tages in die Fußstapfen der vorherigen Generationen steigen und deshalb denselben Namen tragen wie sein Vater, Großvater, Urgroßvater und so weiter. Cora will alles, nur das nicht. Doch die Angst vor ihrem Mann und seiner Wut machen sie ohnmächtig und handlungsunfähig. Auf dem Rückweg nach Hause hat Cora das schreckliche Gefühl, alles kaputt gemacht zu haben.
Wir lesen aber auch zwei weitere Geschichten: Eine, in der Cora sich eigenmächtig auf dem Amt für einen anderen Namen entscheidet und ihren Sohn Julian nennt. Sein Weg soll schon durch seinen Namen in eine andere, gute Richtung gelenkt werden. Den Zorn ihres Mannes blendet sie für diese Entscheidung kurz aus. Und dann gibt es noch eine dritte Variante für diesen Jungen und Mann, um dessen Leben und das seiner Familie es in diesem packenden und spannenden Roman geht. In diesem dritten möglichen Leben entscheidet die große Schwester Maia, wie ihr Bruder heißen soll: Bear. Er soll weich und kuschelig sein, gleichzeitig aber auch mutig und stark.
Ob es gelingt, durch einen Namen den Weg eines Menschen zu beeinflussen? Es ist zumindest eine ungemein spannende Frage, mit der sich Florence Knapp in diesem bewegenden und vielschichtigen Roman beschäftigt, durch den wir u.a. ermutigt werden, unser Leben durch unsere Entscheidungen eigenmächtig in gute Bahnen zu lenken. Richtig gut!
Julia Kortenjann