Anika Decker: Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Dieser Roman ist, wie sein Titel schon verheißt, gute Unterhaltung – und eine wunderbar humorvolle und dabei durchaus tiefgehende Auseinandersetzung mit Themen, die viele von uns betreffen: Es geht um Familienkonstellationen, um die Liebe, die Wechseljahre, um Einsamkeit und Verbundenheit, um Haltung im richtigen Moment. Im Zentrum stehen die Schwestern Nina und Lena, die beide im Umbruch sind und mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen haben.
Nina, fast 50, ist seit Jahren geschieden, von der Villa im Grunewald in ein 1,5-Zimmer-Appartment im Wedding gezogen, und verdient sich ihren Lebensunterhalt in der Produktionsfirma für eine beliebte Krimi-Serie. Ihre Kollegin Zeynep ist gleichzeitig ihre beste Freundin. In der Firma ist der Teufel los, die Gerüchte um sexuelle Belästigung durch Hotte Günther (der den netten Kommissar der Serie spielt) ziehen immer weitere Kreise, Nina und Zeynep müssen sich positionieren. Gar nicht so einfach, wenn das finanzielle Überleben vom Job abhängt. Als der 20 Jahre jüngere David in Ninas Leben tritt und sie Gefühle entwickelt, von denen sie gar nicht mehr zu träumen gewagt hätte, und außerdem ihre Mutter ins Krankenhaus muss, wird ihr Leben auch privat durcheinandergewirbelt. Ihre beiden Kinder jedenfalls sind von dem Energieschub, den der jugendliche Lover in Nina auslöst, zunächst nicht begeistert. Aber muss Nina darauf Rücksicht nehmen?
Und dann gibt es Lena, Ninas jüngere Schwester, Ehefrau von Flori (der auf wesentlich höherer Ebene in der gleichen Produktionsfirma wie Nina arbeitet) und Mutter zweier Kinder. Schon immer ist sie auf der Suche nach echten Freundschaften und glaubt, in der Clique um Lulu endlich ihren Zirkel gefunden haben. Als sich die Geschehnisse am Set immer weiter zuspitzen, erfährt Lena, dass auch Flori damit zu tun hat und nicht gerade eine „bella figura“ macht. Plötzlich liegt es an ihr, sich solidarisch mit Schwester Nina zu stellen. Ungeahnte Kräfte entfalten sich …
Anika Decker hat einen Roman geschrieben, der sich liest wie ein Film. Einmal angefangen möchte man nicht aufhören. Nina und Lena sind wie du und ich – und für einige herrliche Stunden kann man sich beim Lesen mit ihnen befreunden. Ein super Buch!
Julia Kortenjann