Anne Weber: Bannmeilen

Der Boulevard périphérique umschließt Paris, er ist die Grenze zu den Banlieues. Sie sind die Randzone der Millionenstadt, gekennzeichnet durch die Deindustralisierung ab den 1970er-Jahren, durch einen hohen Anteil an Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern und überproportional vielen arabischen und afrikanischen Einwandern. Sie sind der Inbegriff des sozialen Abstiegs.

Die Ich-Erzählerin in Anne Webers hinreißendem Roman verschlägt es in eben jene Banlieues. Denn ihr Freund Thierry plant angesichts der Olympischen Spiele in Paris einen Film über die Auswirkungen des Großereignisses auf eben jene Vorstädte und nimmt die Erzählerin kurzerhand mit auf seine Streifzüge und Erkundungen.

Dies ist allerdings beileibe nicht einfach ein Roman über das Elend, den Abstieg und die Ausgestoßenen, sondern vor allem ein Roman über das Wunder der Begegnung. Thierry und die Ich-Erzählerin kehren immer wieder in einem kleinen Café ein und treffen hier auf allerlei widersprüchliche Menschen mit teils skurrilen Geschichten und Lebensläufen.

Anne Weber hat einen herzerwärmende Roman voller Freude über die kleinen Begegnungen geschrieben, der mich mit seinem einzigartigen Sound gepackt hat. „Ein Roman in Streifzügen“ steht auf dem Schutzumschlag. Das trifft es auf den Punkt: Weber hat einen unglaublich leichtfüßigen Roman über das Herumschweifen, Entdecken und Begegnen geschrieben, der mich berührt und verzaubert hat.

Philipp Schneider 


Bibliographie