Antje Rávik Strubel: Der Einfluss der Fasane

Hella Karl, Anfang 50, ist Feuilleton-Chefin einer großen Berliner Zeitung. Sie ist bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. So auch bei ihrem Artikel über Kai Hochwerth, einen stadtbekannten, gefeierten und dennoch ambivalent gesehenen Theaterintendant, dem sie Machtmissbrauch im Umgang mit einer jungen Frau vorgeworfen hat. Er habe der jungen Kollegin geraten, ihr Kind abzutreiben. Jetzt hat Kai Hochwerth sich das Leben genommen, mit großem Pathos, in der Oper von Sydney, genauer: in der Garderobe seiner Frau, einer berühmten Sängerin. Und Hella soll schuld sein. Was nun beginnt, ist eine ebenso tragikomische wie unterhaltsame Geschichte des Aufstiegs und dann rasanten Abstiegs einer Frau, die sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet und eine namhafte Existenz aufgebaut hat. Man stürzt sich mit Vergnügen in diesen Text, der auch den Medienbetrieb in Zeiten von Fake News und Digitalisierung auseinander nimmt und die Macht des geschriebenen Wortes deutlich macht. In Hellas Leben jedenfalls, das ahnen wir als Leser*innen eher als sie, wird bald nichts mehr so sein wie früher. Doch natürlich will sie die Kontrolle über ihr Leben nicht abgeben, sondern Contenance bewahren. In inneren Monologen versucht Hella, sich selbst immer wieder davon zu überzeugen : „So war sie, Hella Karl. Sie kam dem Schicksal zuvor.“ Oder: „Denn Stolz besaß sie, Hella Renate Karl, den ließ sie sich von niemandem nehmen.“ Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Überzeugt euch selbst und lest, was es mit dem "Einfluss der Fasane" auf sich hat!

Julia Kortenjann


Bibliographie