Claire Beyer: Regen
Elisabeth Stiller-Henley sitzt im Auto auf einem Supermarktparkplatz, als ein plötzlicher Starkregen einsetzt und auf ihr Dach prasselt. Aus dem Auto ihr gegenüber steigt ein Mann aus, stellt zwei Taschen ab und fährt wieder weg. Wie in einer Kurzschlusshandlung schnappt Elisabeth sich diese Taschen und fährt damit weg. Was ist drin? Na, Geld ohne Ende natürlich! Was macht Elisabeth? Sie haut ab! Weg von ihrem Mann, von dem sie sich sowieso trennen wollte. Weg von ihrem faden Leben als Versicherungsangestellte. Wir als Leser*innen begleiten Elisabeth nun dabei, wie sie – mit Kater Hanno auf dem Rücksitz – Richtung Allgäu fährt und bei Wirtin Ambrosia auf einer Alphütte strandet. Gleichzeitig lesen wir, dass die Besitzer des Geldes, zwei zwielichtige Herren, natürlich alles daransetzen, es wieder zu bekommen. Pech für Elisabeth ist, dass der Supermarktparkplatz Kameras hat. Und dass die beiden Herren findig darin sind, an die Auswertung der Kamera zu kommen. Ein rasantes Katz-und-Maus-Spiel beginnt, in dem auch eine Liebesgeschichte vorkommt, und in dem wir immer wieder in die Irre geführt werden, mit Elisabeth in ihrem mittlerweile sehr wertvollen Auto Richtung neues Leben rasen und ihr dabei das Beste wünschen. Ein Krimi? Ja! Eine Geschichte über weibliche Selbstermächtigung? Auch! Und ein absolutes Lesevergnügen, wunderbar atmosphärisch, man spürt den Regen in jeder Faser seines Körpers … während man gemütlich unter der Wolldecke auf dem Sofa liegt und – LIEST! Wunderbar!
Julia Kortenjann