David Hewson: Die Medici-Morde
Mit David Hewsons Krimi „Die Medici-Morde“ betritt ein grandioser Held die Bühne: der pensionierte Archivar Arnold Clover. Der Brite siedelt kurz nach seinem Renteneintritt (und dem viel zu frühen Tod seiner Ehefrau) nach Venedig über und wird hier zum Mittelpunkt eines dreifachen Mordes: Es geht einerseits um die Morde an Alessandro und Lorenzino de Medici und andererseits um den ebenso rätselhaften Tod des TV-Historikers Marmaduke Godolphin.
Godolphin, einst angesehener Geschichtsprofessor in Cambridge mit elitärem Schülerkreis, ist mittlerweile drittklassiger Moderator von Dokus. Seinen Ruf will er mit einer sensationellen Entdeckung retten, die er gemacht hat: Es geht um zwei Morde an Mitgliedern der Medici-Morde vor 500 Jahren. Für seine Inszenierung lädt er nicht nur seinen Schülerkreis ein, sondern engagiert auch Arnold Clover, der als Archivar helfen soll. Doch bevor es zur großen Enthüllung kommt, findet man Godolphin tot in einem Canale. Und Arnold Clover beginnt an der Seite der Polizistin Valentina Fabbri mit den Ermittlungen.
David Hewson hat einen wirklich ganz wunderbaren Venedigkrimi geschrieben, der natürlich – wie sollte es auch anders sein? – allerlei Lokalkolorit liefert, der aber gerade durch seinen Kriminalfall besticht. Wie Hewson hier zwei historisch verbürgte Mordfälle mit einer fiktiven Geschichte verknüpft, ist durchaus meisterlich. Und auch die Erzählweise hat mich überzeugt, denn ein Großteil des Buchs wird im Rückblick erzählt.
Natürlich hat auch dieser Krimi die üblichen Elemente, die man in den meisten Krimis findet. Aber Hewson schafft es, daraus einen wunderbaren Spaß zu machen und diese Elemente (ungleiches Ermittlerpaar, ein vom Schicksal gezeichneter Held etc.) in die Handlung einfließen zu lassen. Und ganz nebenbei lernt man noch etwas über italienische Geschichte. Ein echtes Vergnügen!
Philipp Schneider