Emma Cline: Die Einladung
Im Mittelpunkt von Emma Clines zweitem Roman steht die 22-jährige Alex, von der wir nur wenig mehr erfahren als dies. Sie lebt in New York, arbeitet als eine Art Escort-Girl und hat jede Menge Probleme in der Stadt. Sie ist daher ganz froh, dass Simon, ein ältere Businessman, ihr anbietet, den August mit ihm in seinem Sommerhaus in den Hamptons zu verbringen.
Für Alex geht es in die Welt der Reichen und Schönen, zumindest für einen Sommer. Sie verbringt ihre Tage am Meer oder am Pool, die Abende auf schicken Dinnerpartys von Simons Freunden. Zwischendurch noch ein paar Schmerzmittel, der Sommer scheint perfekt. Doch dann leistet sie sich einen Fehltritt und Simons setzt sie vor die Tür.
Zurück in die Stadt kann sie nicht, das steht fest. Und so geistert sie nun durch Gärten und über Dünen, schläft am Strand, hangelt sich von einer Zufallsbekanntschaft zur nächsten mit nur einem Ziel: Simons Gartenparty am Labor Day, hier will sie ihn zurückgewinnen.
Emma Cline hat mit „Die Einladung“ einen ungeheuer atmosphärischen Roman geschrieben, der mit seiner Lakonik und Lockerheit überzeugen kann. Mit nur wenigen Worten beschwört sie ganze Szenerien und Situationen in einer verblüffenden Komplexität herauf, sodass man beim Lesen meint, teilzunehmen.
Besonders nah kommt man natürlich Alex und doch löst Emma Cline das Rätsel um sie nie ganz auf, es bleiben Fragen und Unklarheiten. Und das ist ganz wunderbar, da Alex so auf uns Leser denselben anziehenden Zauber ausübt wie auf die Männer, die ihr verfallen. Ein betörender und flirrender Roman!
Philipp Schneider