Georgi Gospodinov: Der Gärtner und der Tod
Der Titel dieses Buches mag auf den ersten Blick einen traurigen Text vermuten lassen, beim Lesen aber entfalten sich Worte, die trösten und auffangen, Worte für etwas, wo uns manchmal die Sprache fehlt.
Der bulgarische Autor Georgi Gospodinov setzt sich mit dem Sterben seines Vaters auseinander, eines Mannes, der berühmt für die Pflege seines Gartens war, den er bei jedem Umzug einfach mitnahm, indem er Samen und Setzlinge am neuen Standort in die Erde pflanzte. In seinen Notizbüchern hielt er seine Gartenaktivitäten fest und ging mit jedem Besucher durch seinen Garten, wies auf diese und jene Pflanze und Besonderheit hin. Der Vater war ohne Garten nicht denkbar – und ohne seine Geschichten, die er gern und immer wieder erzählte. Zum Beispiel diese, dass er in Zeiten einer Zwiebelknappheit tonnenweise Zwiebeln anpflanzte und später verkaufen wollte, nicht wissend, dass neben ihm viele Mitmenschen die gleiche Idee hatten. Oder die, in welcher ihm nachgesagt wurde, bei seiner ersten Krebs-OP habe man ihm fast den Kopf vom Hals abgetrennt. Am Telefon sagte er daraufhin zu einem Bekannten: „Warte kurz, ich hole meinen Kopf, und dann erzähle ich dir alles!“ Seit dieser ersten Diagnose sind 17 Jahre vergangen, obwohl man dem Vater damals keine guten Aussichten gemacht hatte. Schön ist die Vorstellung, durch sein unerschütterlich positives „Halb so wild“ habe er der Krankheit lange ein Schnippchen schlagen können. Doch jetzt ist der Krebs überall, keine Heilung mehr in Sicht – und die Schmerzen werden immer stärker. Mit dem alten Mann und seinem Sohn durch diese Zeit zu gehen, zeigt die große Liebe eines Sohns zu seinem Vater auf – und die Ohnmacht, sich dieser heimtückischen Krankheit nicht in den Weg stellen zu können. Sich nach dessen Tod vorzustellen, sein Vater sei unter der Erde selbst zu einem Garten geworden, ist eins der vielen wunderschönen Bilder, die Gospodinov findet und in denen auch wir als Leser*innen Trost finden können, wenn wir an die Lieben denken, die nicht mehr in unserem Leben sind.
Julia Kortenjann
Bibliographie