Gianna Molinari: Hinter der Hecke die Welt
Gianna Molinari hat einen wunderbaren Roman mit ganz eigenem, magischen Sound und Atmosphäre geschrieben, der mir ein wenig das Gefühl gab, „entrückt“ zu sein. Fast wie auf dem Zauberberg habe ich mich gefühlt.
Im Mittelpunkt des Romans steht ein Dorf, das im Schrumpfen, ja Verschwinden begriffen ist, denn es gibt immer weniger Einwohner. Umso mehr kümmert man sich um die beiden einzigen Kinder des Dorfs, Pina und Lobo, deren Wachstum jedoch stehen geblieben ist. Was allerdings immer weiter wächst ist die Hecke am Westrand des Dorfes, die gar busweise Touristen anlockt. Alles scheint gut, bis Lobo eines Tages verschwindet…
Parallel dazu wird von Pinas Mutter erzählt, die auf einem Forschungsschiff in der Arktis ausharrt, das schmelzende Eis beobachtet und in verschiedenen Konstellationen mit der übrigen Besatzung über das Entdecken und Verschwinden nachdenkt und spricht.
Auf die Handlung kommt es im Grunde gar nicht an. Wer viel Spannung und Action sucht, wird bei Molinari sicher nicht fündig werden. Es geht um das, was dieses Buch mit einem anstellt beim Lesen: Man hat fast das Gefühl in jener Hecke zu verschwinden, die im Titel auftaucht. Wer also einen Roman sucht, der tatsächlich im besten Sinne Literatur ist, der einen auf irgendwie angenehme Weise verwirrt und fragend zurücklässt, der wird großen Spaß haben mit diesem Buch!
„Hinter der Hecke die Welt“ ist ein äußerst eigenwilliger Roman. Er hat etwas Halluzinatorisches und Verwunschenes, verblüfft mit sehr feinen und feinfühligen Beobachtungen und lädt ein in eine ganz eigene Welt. Ein Roman zum Versinken und Entdecken!
Philipp Schneider