Henning Sussebach: Anna oder Was von einem Leben bleibt
Henning Sussebach weiß nicht viel über seine Urgroßmutter. In diesem Roman entwirft er mit den wenigen bekannten Details aus ihrem Leben die Biografie einer eigenwilligen und stolzen Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.
Zunächst arbeitet Anna als Lehrerin im sauerländischen Cobbenrode, führt später einen Gasthof und heiratet einen Mann, der 19 Jahre jünger ist. Und mit fast 45 Jahren bekommt sie ein Kind. Was heute gang und gäbe ist, war damals fast undenkbar. Anna störte sich allerdings nicht an dem, "was die Leute denken" könnten. Was für ein Glück! Man kommt beim Lesen nicht umhin, an seine eigenen Vorfahren zu denken und sich zu fragen, welchen Zufällen und Entscheidungen wir es vielleicht zu verdanken haben, dass wir auf der Welt sind. Beim Lesen habe ich jedenfalls oft an meine beiden sehr unterschiedlichen und starken Großmütter denken müssen, deren Stimmen mir mein ganzes Leben im Kopf bleiben werden.
Ein Roman über ein Frauenleben und gleichzeitig ein Blick in die Weltgeschichte des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, fesselnd bis zur letzten Seite!
Julia Kortenjann