Alina Bronsky: Pi mal Daumen
Alina Bronsky erzählt in ihrem charmanten Roman von der ungewöhnlichen und besonderen Freundschaft zweier Menschen: Moni Kosinsky ist 53 Jahre alt, Mutter einer Tochter und Großmutter dreier Enkel. Oskar ist sechzehn (sieht aber aus wie vierzehn, was ihm den Spitznamen „Kleiner“ von Moni einbringt), Einzelkind und -gänger, er hat einen Adelstitel und einen unsichtbaren Freund an seiner Seite, Mister Brown. Die beiden treffen sich im unpassendsten aller denkbaren Settings: an der Uni, beide haben sich für Mathematik eingeschrieben. Oskar nimmt Moni anfangs nicht für voll und belächelt innerlich sowieso fast jede*n seiner Kommiliton*innen, fühlt sich bei weitem überlegen, was er als Hochbegabter und Überflieger tatsächlich auch ist. Moni dagegen hat ein weites Herz, nimmt sich selbst nicht so wichtig, hat immer eine Thermoskanne und Knabbereien dabei - und mit ihrem bunten Leopardenlook das schrillste Outfit der ganzen Uni. Wie es der Zufall will, sitzen die beiden in der ersten Vorlesung nebeneinander - und damit beginnt eine unvermutete Freundschaft fürs Leben: Oskar hilft Moni bei Analysis und Co., Moni bewahrt ihn vor Unterzuckerung und Vereinsamung. Und spannend ist der unterhaltsame Roman obendrein: Denn Moni scheint einen Professor gut zu kennen, einen jener Mathematiker, die Oskar sein Leben lang bewundert. Über sie könnte er es schaffen, seinem Idol näher zu kommen. Außerdem stellt sich mit der Zeit heraus, dass Moni in Mathe gar nicht so schwer von Begriff ist, wie Oskar fälschlicherweise zunächst angenommen hatte …
Alina Bronsky gibt uns einen Einblick in das Leben einer Frau, die qua Herkunft, Alter und Lebenslauf vermeintlich nicht geeignet für ein Studium ist. Aber wer sagt das eigentlich? Mit ihrem herzerwärmenden und lustigen Roman macht die Autorin Mut für die Umsetzung unserer Lebensträume. Und sie unterhält uns dabei bestens, zB in der detailfreudigen und durchaus überzeichneten Schilderung der leicht nerdigen Mathematikprofessoren (einer hat bimmelnde Glöckchen in seinen langen Bart eingeflochten) und der Lebenswelt von Moni (deren Enkel Justin, Quentin und Keanu heißen), die zum Weihnachtsfest der Uni gekleidet wie ein Tannenbaum erscheint. Mehr Monis in unser aller Leben bitte! Sie machen die Welt zu einem besseren Ort :-)
Julia Kortenjann