Jennie Godfrey: Unser Buch der seltsamen Dinge
England, Yorkshire, Ende der 70er Jahre: Hier lebt die 12-jährige Miv, zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Vater und Tante Jean. Es ist das erste Jahr der Regierungszeit von Maggie Thatcher. Ganze Industriezweige sind von Schließungen bedroht, in Yorkshire sind u.a. Textilfabriken betroffen. Perspektivlosigkeit und Armut greifen um sich. Zusätzlich hält eine Mordserie die Stadt in Atem: Ein brutaler Mörder, der Ripper, hat schon viele Frauen getötet. Angst und Unruhe sind in der ganzen Stadt zu spüren. In dieser Stimmung überlegt Mivs Vater, umzuziehen und woanders neue Perspektiven zu finden. Das würde bedeuten, dass Miv ihre beste Freundin Sharon verlieren würde, ihren einzigen wirklichen Halt in diesen Zeiten. Um das zu verhindern, fasst Miv einen ungewöhnlichen Plan: Wenn es Sharon und ihr gelingen könnte, den Ripper zu fassen, müsste ihr Vater sich doch anders entscheiden und sie könnte in ihrer Heimat bleiben. Und los geht’s mit der „Liste der seltsamen Dinge“, die Miv und Sharon zusammen anlegen, in der sie alle vermeintlich Verdächtigen und ungewöhnlichen Vorkommnisse in ihrem Umfeld aufschreiben. Wir begleiten sie in diesen Wochen, in denen sich unabhängig von der Suche nach dem Ripper vieles in Mivs Leben verändern wird.
Dass Jennie Godfreys aus eigenen Erfahrungen schreibt, merkt man ihrem bewegenden und spannenden Roman sofort an. Die bleierne Ohnmacht, die sich in der Bevölkerung in jenen Jahren bemerkbar macht, ist auf jeder Seite zu spüren, die Unsicherheiten im Leben eines Teenagers, dem alles wegzubrechen droht, ebenfalls. Und dazu ist der Roman spannend, denn wir wollen natürlich wissen, ob einer der Verdächtigen in Mivs Liste der Täter ist.
Ein warmherziger und tröstlicher Roman über die Kraft der Freundschaft in düsteren Zeiten mit einer wunderbaren Protagonistin!
Julia Kortenjann