Roddy Doyle: Die Frauen hinter der Tür

Nach „Honey“ (Victor Lodato) und „Florence Butterfield“ (Susan Fletcher) hat mich mit der von Roddy Doyle geschaffenen Paula Spencer wieder eine ältere Dame mit Ecken und Kanten und einem bewegten Leben in den Bann gezogen. Paula ist Witwe, hat vier erwachsene Kinder, einen Freund und in Mary eine wunderbare Freundin und Arbeitskollegin. Die beiden arbeiten in einem Waschsalon. Allein schon für die Szene, in der sie sich mit einem herablassenden Kunden über einen vermeintlich nicht richtig entfernten Fleck unterhalten, ist es wert, das ganze Buch zu lesen. Es lebt von wunderbaren Dialogen und dem Blick fürs Kleine. Paula ist Alkoholikerin, die es geschafft hat, ihre Kraft und ihren Willen der Sucht entgegenzustellen. Eigentlich kann ihr nichts mehr etwas anhaben. Doch dann steht Tochter Nicola vor der Tür, die ihrem Leben entfliehen will. Paula und Nicola verbringen nun viele Tage miteinander, erzählen der Welt, sie hätten Corona und müssten in Quarantäne bleiben. Und langsam nähern sie sich einander zum ersten Mal im Leben richtig an. Ein Buch über Mütter und Töchter, über Freundschaft und Zusammenhalt und die ganz kleinen Freuden im Leben. Übersetzt von Sabine Längsfeld. Auch ganz wunderbar als Hörbuch gelesen von Marion Elskis. Julia Kortenjann

Bibliographie