Timon Karl Kaleyta: Heilung
Der namenlose Erzähler dieses Romans ist Mitte 40, kern gesund und biologisch gerade mal in seinen 20ern. Das zumindest ergeben die medizinischen Untersuchungen, die er im Nobelresort San Vita in den Dolomiten über sich ergehen lassen. Die Ergebnisse sind zwar erfreulich, erklären aber nicht sein Problem: Er kann nicht mehr schlafen.
Auf Vermittlung seiner Frau, einer weltwelt gefeierten Künstlerin, begibt sich der Erzähler in jenes Nobelresort und soll dort, unter Aufsicht von Prof. Trinkl, wieder zu sich selbst finden. Er sträubt sich, hat Angst vor einer Seelenschau und fühlt sich schnell bestätigt: Sein Problem, so Prof. Trinkl, sei ein in der Vergangenheit begründetes Unbehagen.
Die Suche nach „Heilung“ wird immer unheimlicher, sodass der Erzähler sich schließlich flieht, wenn auch nicht ganz freiwillig. Er findet Zuflucht bei seinem alten Jugendfreund Jesper, der ihm das Glück der körperlichen Arbeit auf seinem eigenen Hof näherbringt. Aber ob das Glück hier hält?
Kaleyta hat mit diesem Roman eine raffinierte Parabel auf unser Streben nach Glück und Höherem geschrieben. Was mich überrascht hat, ist die äußerst gelungene Mischung aus Humor, Unsinn und Action. In einigen Passagen erinnert der Roman an Stephen King, in anderen wieder an Thomas Mann. Und das alles federleicht geschrieben und an keiner Stelle langweilig oder zu dick aufgetragen.
Voller Spitzen gegen unseren Achtsamkeitswahn, die grassierende feel good-Mentalität und die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben. Ich bin mir sicher: Niemand kann so humorvoll, hintergründig und klug über unsere Gegenwart schreiben wie Timon Karl Kaleyta. Unbedingt lesen!
Philipp Schneider